Mittwoch, 6. Juli 2011

Arsenij Tarkovskij

Явь и речь

Как зрение - сетчатке, голос - горлу,
Число - рассудку, ранний трепет - сердцу,
Я клятву дал вернуть мое искусство
Его животворящему началу.
Я гнул его, как лук, я тетивой
Душил его - и клятвой пренебрег.
Не я словарь по слову составлял,
А он меня творил из красной глины;
Не я пять чувств, как пятерню Фома,
Вложид в зияющую рану мира,
А рана мира облегла меня,
И жизнь жива помимо нашей воли.
Зачем учил я посох прямизне,
Лук - кривизне и птицу - птичьей роще?
Две кисти рук, вы на одной струне,
О явь и речь, зрачки расширьте мне,
И причастите вашей царской мощи.
И дайте мне остаться в стороне
Свидетелем свободного полета
Воздвигнутого чудом корабля,
О, два крыла, две лопасти оплота,
Надежного, как воздух и земля!
1965

Wirklichkeit und Sprache

Wie das Sehen zur Netzhaut gehört, die Stimme zur Kehle,/ die Zahl zum Verstand, das frühe Zittern zum Herzen,/ so leistete ich einen Schwur, meine Kunst zurückzugeben / ihrem lebenschaffenden Anfangsgrund.
Ich bog sie wie einen Bogen, mit der Sehne / benahm ich ihr den Atem – und achtete nicht meines Schwurs.

Nicht ich habe das Wörterbuch Wort für Wort verfasst,/ sondern dieses hat mich geschaffen aus rotem Lehm;/ nicht ich habe meine fünf Sinne, wie Thomas seine fünf Finger,/ auf die klaffende Wunde der Welt gelegt,/ sondern die Wunde der Welt hat mich bedeckt;/ und das Leben ist lebendig, unabhängig von unserem Willen.

Wozu habe ich den Stab Geradheit gelehrt,/ den Bogen Gekrümmtheit und den Vogel den Vogelhain?/ Ihr beiden Hände, ihr seid auf einer Saite,/ o Wirklichkeit und Sprache, erweitert mir die Pupillen / und lasst mich teilhaftig werden eurer königlichen Macht, / und lasst mich beiseite stehen,/ als Beobachter des freíen Flugs /des durch ein Wunder erbauten Schiffs,/ oh, ihr beiden Flügel, ihr beiden Ruderblätter des Bollwerks,/ des sicheren, wie die Luft und die Erde!
(1969)

- deutsch von Kay Borowsky –

aus „Russische Lyrik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“
zweisprachige Ausgabe, Reclams Universal-Bibliothek No. 7994

Sonntag, 3. Juli 2011

Arsenij Tarkovskij

Арсений Тарковский (1907 – 89)

Фонари

Мне запомнится таянье снега
Этой горькой и ранней весной,
Пьяный ветер, хлеставший с разбега
По лицу ледяною крупой,
Беспокойная близость природы,
Разорвавшей свой белый покров,
И косматые шумные воды
Под железом угрюмых мостов.

Что вы значили, что предвещали,
Фонари под холодным дождем,
И на город какие печали
Вы наслали в безумье своем,
И какою тревогою ранен,
И обидой какой уязвлен
Из-за ваших огней горожанин,
И о чем сокрушается он?

А быть может, он вместе со мною
Исполняется той же тоски
И следит за свинцовой волною,
Под мостом обходящей быки?
И его, как меня, обманули
Вам подвластные тайные сны,
Чтобы легче нам было в июле
Отказаться от черной весны.

( 1969 )


Laternen

Mir wird im Gedächtnis bleiben das Tauen des Schnees / in jenem bitteren und frühen Frühling, / der trunkene Wind, der, weit ausholend, / mit Eisgraupeln übers Gesicht peitschte, / die unruhige Nähe der Natur, / die ihre weiße Decke zerrissen hatte, / und die zerzausten lärmenden Wasser / unter dem Eisen der düsteren Brücken.

Was habt ihr bedeutet, was habt ihr vorausgesagt, / ihr Laternen unter dem kalten Regen, / und was für einen Kummer habt ihr gegen die Stadt / gesandt in eurem Wahnsinn, / und von welcher Besorgnis verletzt / du von welcher Kränkung verwundet / ist wegen euer Lichter der Bewohner der Stadt, / und worüber grämt er sich?

Vielleicht wird er zugleich mit mir / von jeder selben Schwermut erfüllt / und folgt der bleiernen Welle, / wie sie unter der Brücke die Rammböcke umgeht? / Und wie mich haben auch ihn getäuscht / die geheimen Träume, die euch untertan, / damit es uns leichter falle im Juli, / uns vom schwarzen Frühling loszusagen.

- deutsch von Kay Borowsky –

aus „Russische Lyrik. Von den Anfängen bis zur Gegenwart“
zweisprachige Ausgabe, Reclams Universal-Bibliothek No. 7994